Summer Factory 2013

Wie viel Crossover ist im Wahljahr möglich?

ism
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden zeichnend dokumentiert

Vom 16.-18. August fand im Frankfurter Studierendenhaus unsere fünfte Summer Factory statt. Teilnehmer_innen, Methodik und diskutierte Inhalte spiegelten mehr als je zuvor die Besonderheiten wider, mit denen sich das ISM als Denkfabrik links vom politischen und wissenschaftlichen Mainstream etabliert hat.

Die Teilnehmer_innen

Drei Tage lang haben etwa 150 Politiker_innen, Wissenschaftler_innen und Engagierte aus drei Parteien, NGOs, Gewerkschaften, Universitäten und den sozialen Bewegungen diskutiert, Konflikte ausgetragen, voneinander gelernt und Kontakte geknüpft. Angereist aus dem ganzen Bundesgebiet und dem deutschsprachigen Ausland hielten sich ISM-Mitglieder und Nicht-Mitglieder die Waage. Insbesondere viele letztere waren positiv überrascht, auf welch hohem  Niveau die Teilnehmer_innen sich begegneten, akademisch anspruchsvoll im Inhalt, konzentriert im Arbeits- und Gesprächsstil. Dabei war die Promi-Dichte gewohnt hoch, und auch alle Vorstandsprecher_innen und mehrere Kuratoriumsmitglieder waren natürlich anwesend.

Die Methodik

Die bewährte Podiumsdiskussion am Auftaktabend zog wieder viele Zuhörer_innen in den Festsaal des Studierendenhausesl. Sie lieferte mit dem Titel  "...ein Umbruch, der ansteht, aber nicht eintritt" den heimlichen Grundton vieler nachfolgender Gespräche. Der von vielen beklagte Dissens der Diskutant_innen auf dem Podium machte aber vor allem klar, warum es das ISM gibt: die Mosaiklinke braucht solche Foren, in denen sie über ihre Differenzen hinaus in ein konstruktives Gespräch eintreten und zu einer Verständigung kommen kann.

Neu war die parallele Arbeit in Arbeitsgruppen und Workshops. In den Arbeitsgruppen hatten Expert_innen bereits Monate im Vorfeld vorgearbeitet, um auf der Summer Factory ihre Thesen zu finalisieren. In den Workshops erarbeiteten die Teilnehmer_innen auf Basis von Impulsvorträgen ihre Thesen spontan. Die jeweiligen Ergebnisse wurden in moderierten Podiumsdiskussionen zusammengeführt – und natürlich in den gemeinsamen Pausen und der Party lebhaft diskutiert.

Die Inhalte

Die titelgebende Fragestellung "Sozialökologische Transformation: Strategische Bedingungen eines Politikwechsels" zog sich als roter Faden durch die ganze Summer Factory. Kommt der Politikwandel? Warum kommt er nicht? Was müsste wer tun, damit er doch kommt? Reicht es, vorbereitet zu sein, falls er dann doch noch eintritt? Welche Erfahrungen kann man aus früheren Linksregierungen ziehen? Welche aus der europäischen Perspektive? Welche Rollen spielen die Medien, welche die Kulturpolitik? Wie kann das Verhältnis von sozialen Bewegungen und Parteien produktiv gedacht werden? Wie kann solidarisches Wirtschaften aussehen? Welche Transformationsstrategien kann die Linke ansetzen, welche Kommunikationsstrategien sind angemessen? Wie ist der konkrete aktuelle Status Quo in den im ISM vertretenen Institutionen vier Wochen vor der Bundestagswahl? In allen Foren wurden mehr als zwanzig vorab erstellte Papiere gesichtet, Diskussionen per graphic recording festgehalten und konkrete Thesen erarbeitet.

Den Teilnehmer_innen bleibt denn auch mehr als nur schöne Erinnerungen: Als sichtbares Produkt des gemeinsamen Schaffens wird wie bereits bei den letzten Summer Factorys wieder ein Buch entstehen.

Selbstkritisches

Auch Probleme wollen wir transparent handhaben. In der taz, im Neuen Deutschland und auf zahlreichen Blog-, Facebook- und Twitterbeiträgen fand die Summer Factory auch medial ihren Niederschlag. Die Teilnahmegebühr wurde von vielen als zu hoch empfunden. Einige hätten sich die Teilnahme von mehr Mitgliedern des Kuratoriums  gewünscht. Die Erwartungshaltungen maßen das ISM aber oft auch an gelernten Mustern, die es gar nicht erfüllen will. Das ISM muss daher noch mehr seine Spezifika im Unterschied zu Parteien oder Initiativen vermitteln: wofür es steht, wie es arbeitet, warum es keine PR macht und einiges mehr. Wir bleiben dran!

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Schlagworte: Eurokrise , Summer Factory