#16 Geschlechtergerechtigkeit - (k)ein Thema in der Debatte um alternative Bildungskonzepte

Workshop-Leitung: Astrid Rund & Wolfgang Faller

Dokumentiert

Workshop Session II 13.30 Uhr – 17.00 Uhr

Workshop-Beschreibung: Im Workshop sollen Bildungskonzepten bezüglich ihrer Berücksichtigung von Geschlechterunterschieden, Geschlechtergerechtigkeit und (sexualisierter) Gewalt analysiert werden. Ziel ist es, ganzheitliche geschlechterspezifische Bildungs- und Präventionskonzepte verstärkt in die Konzeptionierung alternativer Bildungspolitik einzubeziehen. Die gegenwärtigen Debatten um eine demokratische Bildung vernachlässigen meist die Fragen nach Geschlechtergerechtigkeit, Geschlechterhierarchien, (sexualisierte)Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Jungen. Erfahrungen aus der geschlechtsspezifischen Bildungsarbeit, der feministischen Mädchenarbeit, der selbständigen Jungenarbeit.u.a. fließen kaum mit ein. Gleichzeitig wird oft der Eindruck erweckt, dass Feminismus und eine spezifische Mädchenarbeit überholt und nicht mehr notwendig sind, da Mädchen und Frauen mittlerweile eher als Bildungsgewinnerinnen und nicht mehr als Bildungsbenachteiligte in Deutschland gelten. Dies ignoriert, dass Frauen und Mädchen nach wie vor - trotz guter Zugangsmöglichkeiten ins Schulsystem, trotz gutem Abschneiden in den PISA-Studien, und trotz guter Bildungsabschlüsse - schlechtere Chancen im Berufsleben haben und schlechter bezahlt werden. Es ignoriert, dass Frauen immer noch fast überall von (sexualisierter) Gewalt bedroht sind. Jungen werden oft wenig Alternativen zum traditionellen Bild hegemonialer Männlichkeit mit Vollzeiterwerbsarbeit, Konkurrenzkampf und beschränkter Emotionalität aufgezeigt. 1. Welche Chancen und Hindernisse gibt es für Mädchen und Frauen, welche für Jungen und Männer, in welchem Verhältnis steht Geschlechterhierarchie zu anderen Kategorien, wie Hautfarbe, soziale Herkunft, ethnische Herkunft…? 2. Welche Auswirkungen haben Gewalterfahrungen? In der Schule sowie in der Ausbildung von Lehrer_innen und anderen sozialen Fachkräften spielen diese Themen nach wie vor eine sehr nachrangige Rolle. Ideen für verbesserte Konzepte sollen sich aus folgenden Fragen entwickeln: Wie muss und kann dies verändert werden? Welche Rolle kann und muss außerschulische (politische) Bildungsarbeit spielen? Gibt es Konzepte, die diese Defizite bereits bearbeitet haben?

Expert_innen:

1. Prof. Dr. phil. habil. Regina-Maria Dackweiler (Hochschule Rhein-Main)
2. Linda Kargerbauer (Vorstand LAG Mädchenpolitik Hessen)
3. Hilde Wackerhagen (politische Kabarettistin, Frankfurt a.M.)
4. Sandro Dell'Anna (LAG Jungenarbeit, NRW)

Biographien:

Astrid Rund ist Kuratoriumsmitglied des ISM, Mitarbeiterin des Frauennotrufs des Rhein-Hunsrück-Kreises, Bildungsreferentin für die Fortbildung von Lehrer_innen sowie anderen pädagogischen Fachkräften zu den Themen sexualisierte Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Jungen, sowie Gewalt in engen sozialen Beziehungen. Sie ist im Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz, der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V., in der deutschen Koordination des »Marche mondiale des femmes«

Wolfgang Faller ist Geschäftsführer der Heinrich Böll Stiftung in Rheinland-Pfalz, engagiert bei den Grünen und div. NGOs in den Bereichen Umwelt/Bildung/ Antifaschismus

Regina-Maria Dackweiler ist Professorin am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden. Ihr Schwerpunkt liegt im Bereich der (transnationalen) Frauenbewegung, der Gewalt im Geschlechterverhältnis, wohlfahrtsstaatlicher Geschlechterpolitik, Gender Mainstreaming und Gender in der Sozialen Arbeit. Veröffentlichungen zum Thema: (gemeinsam mit Reinhild Schäfer) »Gewalt-Verhältnisse: Feministische Perspektiven auf Geschlecht und Gewalt, Campus Verlag 2002; »Wohlfahrtsstaatlichkeit und Geschlechterverhältnis aus feministischer Perspektive. Forum Frauen- und Geschlechterforschung Bd. 29«, Verlag Westfälisches Dampfboot 2010.

Hilde Wackerhagen ist eine Rarität unter den wenigen politischen Kabarettistinnen: sie arbeitet ganz ohne festen Text in freier Rede seit fast 30 Jahren. In ihrem Blick auf Gesellschaft und Politik gibt's Frauen, die im herrschenden Blick aufs Allgemeine normalerweise fehlen. Sie lebt seit 1968 in Frankfurt, spielte im legendären »Karl-Napp's-Chaos-Theater«, studierte Schul-, Erwachsenenpädagogik und Soziologie. Sie war von Beginn an in der Frauenbewegung aktiv. Politische Aufklärung ist ihr Beruf und Lebensthema. Veröffentlichungen zum Thema: Erster theoretischer Beitrag zu Frauen und Kabarett, in: »Frauenstrategien«, Verlag Neue Kritik 1984 und in: »Politisches Kabarett und Satire«, Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2007.

Linda Kagerbauer ist Diplom-Sozialpädagogin, Fortbildnerin sowie Promotionsstudentin im Bereich der feministischen Mädchenarbeit, ehrenamtliche Vorstandsfrau der LAG Mädchenpolitik in Hessen e.V. und Initiatorin des »ersten bundesweiten Netzwerktreffens junger Feministinnen in der Mädchenarbeit« 2010. Autorin des Buches »Hier sind wir! Junge feministische Sozialpädagoginnen und ihre Aufforderung zu einem Dialog der Generationen«, Büchner-Verlag 2008.