#15 »Kritische Politische Bildung«

Workshopleitung: Margit Rodrian-Pfennig

Dokumentiert

Workshop Session II 13.30 Uhr – 17.00 Uhr

Workshop-Beschreibung: Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern der EU ist politische Bildung in der Bundesrepublik seit deren frühen Anfängen in vielfältiger Weise institutionell verankert: In der Bundeszentrale für politische Bildung sowie den angeschlossenen Landeszentralen, in der staatlich oder von freien Trägern (Gewerkschaften, Kirchen, Stiftungen etc.) organisierten Jugend- und Erwachsenenbildung, in der Schule als curricular ausgewiesenes Unterrichtsfach. Vor diesem institutionellen Hintergrund haben sich – nicht erst unter neoliberalen Vorzeichen – widerstreitende theoretische und praktische politische Bildungsverständnisse etabliert: das dominante arbeitet mit einem formalen Demokratiebegriff und zielt auf eine Wissensproduktion der Affirmation und Vermarktung; daneben wird politische Bildung als kritische Mündigkeit gegenüber dem Politischen und emanzipatorische Veränderung der Verhältnisse verteidigt. Neben der Frage, wie die Verwertungsorientierung von Bildung und Wissen im Kontext politischer Bildung aussieht, sind uns zwei weitere Fragen wichtig: 1. Welche neuen Handlungsmaxime und Verantwortungsnormen kommen in Forderungen nach »lebenslangem Lernen«, Selbstmanagement, »Networking« u. ä. zum Ausdruck und mit welchen Begrenzungen gehen sie einher? 2. Wie lassen sich Alternativen theoretisch begründen und praktizieren? Entlang der Begriffe »Subjektivierungsweisen«, »Partizipationsregime«, »indirekte Steuerung« und »Regierungsrationalität« wollen wir die Analyse entfalten und die Konsequenzen für unterschiedliche politische Bildungskontexte diskutieren.

Expert_innen:

1. Christian Kirschner (Goethe-Universität Frankfurt)
2. Johannes Wilhelm (Goethe-Universität Frankfurt)
3. Julika Bürgin (Universität Hamburg)

Biographien:

Margit Rodrian-Pfennig ist Politikwissenschaftlerin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Politische Bildung, Migration, queer-feministische Theorie, Globales Lernen. Veröffentlichungen zum Thema: »Dekonstruktion und radikale Demokratie: Elemente einer anderen politischen Bildung«, in: Bettina Lösch/Andreas Thimmel (Hg.), Kritische politische Bildung. Ein Handbuch, Wochenschau Verlag 2010, 157-168; »Migration und nationaler Diskurs. Politische Bildung zum Rahmenthema Migration in einer 10. Klasse in Italien«, in: Frank Nonnenmacher (Hg.), Unterricht und Lernkulturen. Eine internationale Feldstudie zum Themenbereich Migration, Wochenschau Verlag. 2008, 234-293.

Christian Kirschner ist Student der Soziologie und Pädagogik. Er leitet Seminare der außerschulischen Politischen Bildung. Veröffentlichung zum Thema: »Gender als Frage nach Identität – Butlers ›identifizierende Politik‹ des Performativen und ihre Impulse für Politische Bildungspraxis (gemeinsam mit Frederik de Moll), in: kursiv – Journal für politische Bildung, 3/2010, i.E.

Johannes Wilhelm ist Student der Politikwissenschaft und Anglistik an der Goethe-Universität Frankfurt. Er ist Redakteur des diskus – frankfurter student_innenzeitschrift.

Julika Bürgin ist Politikwissenschaftlerin und Doktorandin am Fachbereich Erziehungswissenschaften/Erwachsenenbildung der HSU Hamburg zum Thema der Arbeitssteuerung und gewerkschaftlichen Bildung, ehemalige Bildungsreferentin beim DGB-Bildungswerk Thüringen, Veröffentlichungen zum Thema: »Ausflug in die Welt der Kompetenzen«, in: Kurzer, Brigitte/Mathes, Horst/Scherbaum, Manfred (Hg.) Bildung ist der Rede wert. Perspektiven gewerkschaftlicher Bildungsarbeit. Supplement der Zeitschrift Sozialismus 9/2006, 35-44; »Politische Bildung und Konflikte um Arbeit«, in: Lösch, Bettina/Thimmel, Andreas (Hg.): Kritische Politische Bildung. Ein Handbuch, Wochenschau Verlag 2010, 505-514.