#13 »Berufliche Aus- und Weiterbildung«

Workshopleitung: Dr. Harry Neß

Dokumentiert

Workshop Session I 9.30 Uhr – 13.00 Uhr

Workshop-Beschreibung: Traditionell, aber aktuell in verstärktem Umfang stehen Institutionen und das Lehrpersonal der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Spannungsfeld von individueller und öffentlicher Verantwortung. Die Eckpunkte dafür sind auf dem Feld der Organisation des Lebenslangen Lernens für Beschäftigungsfähige eine Unterstützung zu individueller Autonomie, eine gesellschaftliche Ermächtigung zur Mündigkeit, eine flexible Anpassung an technische Anforderungen und der Rückbezug auf privatwirtschaftliche Interessen. Technische und arbeitsorganisatorische Umbrüche sowie ökonomische Krisen haben in den letzten Jahrzehnten das Tempo der Veränderungen in der Berufs- und Arbeitswelt beschleunigt, auf die von den Betroffenen reagiert werden musste und muss. Schwächen des Dualen Systems und der Organisation beruflicher Bildung ins–gesamt werden durch die Quoten der Jugendarbeitslosigkeit, der Ausbildungsabbrüche, der nicht bestandenen Abschlussprüfungen, der Stigmatisierung von Jugendlichen durch das Übergangssystem und des geringer werdenden Verbleibs im gelernten Beruf unübersehbar. Sie treffen u.a. mit einer zurück gefahrenen staatlichen Förderung beruflicher Weiterbildung, mit der Übertragung öffentlicher Verantwortung auf die in wirtschaftlicher Konkurrenz zueinander stehenden freien Träger und mit der von den Arbeitsbedingungen prekären Situation des dort tätigen Ausbildungspersonals zusammen. Barrieren gegen die damit einhergehende Deregulierung werden inhaltlich von Teilen der Akteure in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik über eine Idealisierung und Ideologisierung des Berufskonzepts zu errichten versucht. Im Worksshop wird in Erkennung der Realitäten zu diskutieren und nach Positionen zu suchen sein, ob europäische Impulse des europass, des Europäischen und Deutschen Qualifikationsrahmens, die Validierung informellen Lernens und andere europäische Aktionslinien offensiv für einen nationalen Rechtsanspruch auf berufliche Aus- und Weiterbildung zu nutzen sind. Kompetenzorientierung, Durchlässigkeit und Transparenz sind die dahinter stehenden Chiffren, die individuell politische und kulturelle Teilhabe über den Beruf implizieren und auf ihre gesellschaftliche Wirksamkeit in diesem Zusammenhang diskursiv zu prüfen sind.

Expert_innen:

1. Dr. Stephanie Odenwald (GEW-Hauptvorstand)
2. Dr. Anna Rosendahl (Uni Duisburg/Essen)
3. Dr. Uwe Elsholz (Universität Paderborn/TU Hamburg-Haburg)
4. Michael Fütterer (ver.di)
5. Dieter Staudt (ehem. Leiter einer Berufsschule)

Biographien:

Harry Neß ist Projektleiter in der Arbeitseinheit »Steuerung und Finanzierung des Bildungswesens« am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Frankfurt am Main. Sein Schwerpunkt liegt in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, dem Deutschen Qualifikationsrahmen, der Dokumentation und Anerkennugn informellen und nonformalen Lernens sowie der Geschichte der Berufsausbildung in der Druck- und Medienindustrie. Veröffentlichungen zum Thema: »Bedingungen für Vergleichsstandards einer Validierung informellen Lernens in Bildung und Beruf«, in: Brodowski, Michael; Devers-Kanoglu, Ulrike; Overwien, Bernd; Rohs, Matthias; Salinger, Susanne & Walser, Manfred (Hrsg.): Informelles Lernen und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Opladen u.a. 2009, S. 43-55; »Kompetenzerfassung zwischen Beruf und Bildung. Initiativen und Instanzen. Anforderungen an Anerkennungen des Kompetenzerwerbs in unterschiedlichen Kontexten. Ein Überblick« in: BBJ CONSULT INFO, 23, Heft I. (2009): Berlin. Gemeinasm mit Dehnbostel, Peter / Overwien, Bernd: »Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) – Positionen, Reflexionen und Optionen« (Gutachten im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung). Frankfurt 2009.

Stephanie Odenwald ist Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, verantwortlich für Berufliche Bildung und Weiterbildung. Nach dem Studium der Soziologie und Wirtschaftspädagogik in den 70er Jahren in Berlin war sie ab 1978 Lehrerin in einer berufsbildenden Schule in Hamburg tätig, während dieser Zeit von 1992 bis 1998 Personalrätin. Anschließend promovierte sie mit dem Thema »Politische Bildung im Rahmen von Berufsbildung«.

Anna Rosendahl ist Mitarbeiterin an der Universität Duisburg-Essen, Fachgebiet Berufliche Aus- und Weiterbildung/Wirtschaftspädagogik. Ihr Schwerpunkt liegt in der internationalen und europäischen Bildungsvergleichsforschung, der Berufsbildungspolitik, der Professionalisierung in der Weiterbildung. Veröffentlichungen zum Thema: Rosendahl, Anna (2009): Vergleich der Qualitätssicherung in der (beruflichen) Weiterbildung im europäischen Betrachtungswinkel - Eine Fallstudie zur Methodik in Deutschland und England. Kaarst. Gedruckte Dissertation; Dobischat, Rolf/Fischell, Marcel/ Rosendahl, Anna (2009): Beschäftigung in der Weiterbildung. Wandel der Arbeitsbedingungen im Spannungsfeld zwischen Stabilität und Prekarität aus der Perspektive von Beschäftigten. (Abschlussbericht einer Studie im Auftrag der GEW, noch nicht veröffentlicht). Dobischat, Rolf/Ahlene, Eva/Rosendahl, Anna (2010): Hochschulen als Lernorte für das Lebensbegleitende Lernen? Probleme und Perspektiven für die (wissenschaftliche) Weiterbildung. In: Report, H. 2, S. 22 f.

Uwe Elsholz ist Berufsbildungsforscher an der Universität Paderborn und der TU Hamburg-Harburg. Er ist seit langen Jahren ehren- und hauptamtlich gewerkschaftlich organisiert, insbesondere in der gewerkschaftlichen Jugendbildungsarbeit. Veröffent­lichungen zum Thema: gemeinsam mit Gillen, J. und Meyer, R.: »Soziale Ungleichheit in der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung – Stand der Forschung und For­schungsbedarf«. Arbeitspapier 191 der Hans-Böckler-Stiftung, 2010; »Aspekte der beruflichen Bildung für die gewerkschaftliche Bildungsarbeit«, in: Röder, W.J.; Dörre, K. (Hg.): Das Politische an (in) der Politischen Bildung. Recklinghausen, 2006, S. 99-110.

Michael Fütterer ist Student der Politik- und Rechtswissenschaft, sowie Mitglied im ver.di Landesbezirksjugendvorstand Hessen. Veröffentlichung zum Thema: gem. mit Lisa Hofmann u.a. »Ausbildung für Alle! Wege aus der Ausbildungskrise«, VSA- Verlag, 2008.

Dieter Staudt war zehn Jahre Leiter der Landrat-Gruber-Schule des beruflichen Schulzentrums des Landkreises in Dieburg.