#6 »Die ökonomisierte Hochschule - Zur Situation an den Fachhochschulen: Entwicklung, Probleme, Kritik, Perspektiven«

Workshopleitung: Prof. Dr. Günter Buchholz (Fachhochschule Hannover)

Dokumentiert

Workshop Session II 13.30 Uhr – 17.00 Uhr

Workshop-Beschreibung: Ablauf: 1. 
Kurzer Hinweis auf andere wichtige, aber in anderen Workshops bearbeitet Themen:

 Hochschulfinanzierung, Steuerung der Hochschulpolitik (Bertelsmann Stiftung), ehemalige Gruppenhochschule im Vergleich mit der heutigen Präsidialhochschule unter externem Einfluss der Wirtschaft (bzw. die Probleme der Aufbauorganisation und der Partizipation im Rahmen der jetzigen hierarchischen Aufbauorganisation der Hochschulen).

 Die soziale Lage der Studierenden an Fachhochschulen. Es geht um die erfahrungsbasierte Hypothese, wonach sich die soziale Struktur der Studierenden an Fachhochschulen erheblich von der an Universitäten unterscheidet.
Zu vermuten ist, dass die Ausstattung mit ökonomischem, sozialem und kulturellem Kapital (im Sinne von Pierre Bourdieu) bei Studierenden an Fachhochschulen deutlich ungünstiger ist als an Universitäten. Dies hat weitreichende Konsequenzen für Lehre und Forschung. Diese vorgegebenen sozialen Strukturen müssen geklärt werden, um den curricularen und didaktischen Problemen der Fachhochschulen ebenso eine Basis zu geben wie z. B. den integrationspolitischen Problemen.

Promotionsrecht für Fachhochschulen. 
Es geht hier um das Thema Differenzierung und Konvergenz innerhalb des Hochschulsystems unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Universitäten und Fachhochschulen. Kern ist hier das Promotionsrecht.
Hierzu gibt es seitens der Fachhochschulen neue Publikationen und Stellungnahmen (vgl. hierzu Die Neue Hochschule (DNH), Zeitschrift des Hochschullehrerbundes / hlb), und auch der Wissenschaftsrat hat sich in 2009 hierzu geäußert).

4. Das politisch Konzept der "Offenen Hochschule": Die Wirtschaft wünscht die Öffnung der Hochschulen für die betriebliche Weiterbildung. Die Weiterbildungsangebote sollen berufsbegleitend angeboten werden und werden als zu bezahlende Hochschuldienstleistung aufgefasst, nämlich als eine Verlängerung der schon bestehenden Weiterbildungsangebote der Kammern in den Hochschulbereich hinein. Eine weitgehende Möglichkeit der Anrechnung von ECTS-Punkten ist dabei beabsichtigt.
 Aber auch aus gesellschaftspolitischer Sicht von Mitte-Links-Parteien und Gewerkschaften erscheint ein erleichterter Hochschulzugang als wünschenswert. Die Kriterien für die Hochschulzulassung werden dadurch aber weiter gelockert. Damit entstehen für die Fachhochschulen beträchtliche Risiken für die Qualität der Lehre und für die Studierenden erhöhte Abbruchrisiken oder Risiken des Qualitätsverlustes des Studiums.

Expert_innen:

1. Wolfgang Isserstedt (HIS - Institut für Hochschulforschung, Hannover)
2. Prof. Dr. Detlev Reymann (Hochschule Rhein-Main)
3. Prof. Dr. Jost Kramer (Hochschule Wismar)

Biographien:

Günter Buchholz ist Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Consulting an der Wirtschafts- und Informatikfakultät der Fachhochschule Hannover und stellvertretender Vorsitzender des Hochschullehrerbundes Niedersachsen. Veröffentlichungen zum Thema: gemeinsam mit Litzcke, S.M., Linssen, R., »Promotionsrecht - Wettbewerbsverzerrung zwischen Fachhochschulen und Universitäten - Teil 2«, in: Die Neue Hochschule, Bd. 51, Nr. 2-3, 2010, S. 62-65; »Die Bologna-Reform der Hochschulen – eine hochschul- und gesellschaftspolitische Betrachtung,« in: DNH - Die Neue Hochschule, Nr. 6, 2009, S. 16 -18.

Detlev Reymann ist Präsident der Hochschule Rhein-Main.

Jost Kramer ist Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Wismar.