Kultur im ISM

Was zeichnet spezifische Crossover-Perspektiven auf Kunst und Kultur aus?

Im März 2012 begann eine Arbeitsgruppe im ISM, Kontakte in den Kunst- und Kulturbereich aufzubauen, Wissen zusammenzutragen und inhaltlich crossover an kulturpolitischen Thesen zu arbeiten. Im August 2013 wurde der ISM Kulturbeirat institutionalisiert. Auch du kannst dich jetzt an der kulturpolitischen Diskussion im ISM beteiligen.

I. Muss das ISM sich mit „Kultur“ beschäftigen? Aber ja!

Erstens: Wer eine Gesellschaft politisch verändern will, muss sich der kulturellen Bedingtheit von Motiven und Mechanismen stellen. Jede politische Intervention ist eingebunden in kulturelle Traditionen und wirkt auf die zukünftige Lebenswelt der Menschen zurück. Politische Kultur und Kulturpolitik sind so untrennbar ineinander verwoben.

Zweitens: Wesentliche Diskurse gesellschaftlicher Veränderung wurden und werden in Kontexten kultureller Alltagspraxen und künstlerischer Schaffens- und Bewertungsprozesse ausgetragen. Die globalen Überlieferungen der Vorstellungen vom „guten Leben“ und die freie, konstruktive Kommunikation über sie an Wohnzimmersofas, Schulbänken, Stammtischen und Marktplätzen, in Filmen, Büchern und Liedern haben auf die Überzeugung Einzelner mit deutlich größerer Wirkmächtigkeit Einfluss als der, wenn überhaupt, nur medial und verkürzt wahrgenommene Stand der Diskussion in Parlamenten und Hörsälen.

Mit diesen wenigen Sätzen sind schon einmal die zwei wichtigsten Perspektiven auf „Kultur“ angerissen. Und wir sind mitten drin im konzentrierten Arbeitsfeld des ISM Kulturbeirats

II. Was bisher geschah: Worüber redet das ISM, wenn es über Kultur redet?

Beginnend im März 2012 begann eine Arbeitsgruppe im ISM, Kontakte in den Kulturbereich aufzubauen, Wissen zusammenzutragen und inhaltlich crossover an kulturpolitischen Thesen zu arbeiten. Im September 2012 ergaben sich zur ISM Summer Factory daraus Kooperationen mit bedeutenden kulturpolitischen Magazinen (Lettre, Kursbuch, Die Gazette, Blätter für deutsche und internationale Politik). Im Februar 2013 formierte sich ein ISM-Kulturbeirat.

Der Kulturbeirat setzte sich zunächst zum Ziel, einen Kulturbegriff politiktheoretisch zu fundieren und Ansätze zu finden, mit denen bestehende kulturelle Praxis kritisch zu hinterfragen ist. Ausgehend von den Basiskonzepten des ISM, Forum für Akteure, Werkstatt eines neuen Politikstils sowie Impulsgeber für Reformkonzepte zu sein, und dabei crossover, die drei linken Parteien übergreifende, Politik, Wissenschaft und NGOs verbindende konkrete politische Alternativen zum Neoliberalismus zu entwickeln, suchte der Kulturbeirat des ISM im Vorfeld der Bundestagswahl und zweier Landtagswahlen in Bayern und Hessen Antwort auf Fragen wie:

·       Was zeichnet spezifisch linke Perspektiven auf Kultur aus?

·       Welchen Beitrag kann Kultur leisten für eine neue Erzählung, die ausgehend von einer mosaiklinken/crossover Position über den Weg einer sozialökologischen Transformation das Erbe der industriellen Moderne und Postmoderne in einer Solidarische Moderne auflösen will?

·       Welche Auswirkungen hatte der Neoliberalismus auf die ökonomischen und sozialen Bedingungen der Kulturschaffenden?

Dazu  wurden aus dem Spektrum kulturpolitischer Ansatzpunkte (z. B. Kulturbegriff, Kultur vs. Kunst, Hochkulturbetrieb vs. Subkulturen, Kulturförderpraxis, Kulturmanagement, Politische Kultur, Europäische Kulturperspektiven) jene herauskristallisiert, die für ein Crossover-Projekt zu klären besonders kritisch wäre.

III. Die Mitglieder des Kulturbeirats

Im August 2013 wurde der Kulturbeirat institutionalisiert und die Mitglieder ins Kuratorium des ISM aufgenommen. Diese findest Du hier.

IV. Thesen aus dem Kulturbeirat auf der Summer Factory 2013

Der Kulturbeirat traf sich mehrfach in Person oder zu Telefonkonferenzen. Die Mitglieder legten zur ISM Summer Factory 2013 (Sozialökologische Transformation: Strategische Bedingungen eines Politikwechsels - "...ein Umbruch, der ansteht, aber nicht eintritt") mehrere Papiere vor, die das Thema aus mannigfaltigen Perspektiven beleuchteten und zu 10 Thesen verdichtet wurden. Diese Thesen geben recht gut Schwerpunkte der vorangegangenen Diskussion wieder, auch und gerade dort wo sie sich Redundanz, Offenheit, Beispielsetzung erlauben.

Die zehn Thesen des Kulturbeirats von der Summer Factory 2013:

1.     Die Linke braucht eine vielleicht generationenlange Arbeit an einer Utopie des richtigen und guten Lebens: das Projekt eines menschenwürdigen Fortschritts und einer materiellen Absicherung für diese Leben.

2.     Zukunft ist ein kulturelles Programm. Was die Menschen von dem was sie können realisieren, hängt davon ab, wie sie leben wollen. Dazu brauchen sie überzeugende Bilder und Begriffe für ein anständiges Leben mit Zukunft.

3.     Die Linke braucht „emanzipatorische Sinnlichkeit“, um zu überzeugen, zu begeistern und kulturelle Hegemonie zu gewinnen.

4.     Die Linke braucht die Kunst und die Kultur für die Fantasie einer humanen und glücklichen Gesellschaft.

5.     Kunst und Kultur brauchen die Linke, um vor der vollständigen Ökonomisierung bewahrt zu werden.

6.     Wesentliches im Verhältnis zu Kultur und Kunst ist bei der Linken ungeklärt.

7.     Die Linke braucht eine emotionale und intellektuelle Beziehung zu den ästhetischen und kulturellen Ausdrucksformen und ihren Institutionen.

8.     Die Linke sollte sich den Modebegriffen der Kreativ- und Kulturwirtschaft verweigern und stattdessen zwischen Kunst und Kulturpolitik unterscheiden.

9.     Die Linke muss dafür sorgen, dass der Kulturauftrag der öffentlich-rechtlichen Medien wieder ernstgenommen und umgesetzt wird.

10.  Die Linke sollte ihr Gesellschaftsbild den veränderten Gegebenheiten der globalisierten Einwanderungsgesellschaft anpassen. Für Fragen der Bildung und also Vermittlung der Kultur bedeutet das, dem wiedererstarkten Antisemitismus und der Islamophobie mit einer wiederbelebten „Erziehung nach Ausschwitz“ (Adorno) zu begegnen. 

V. Wie kann ich mich an der kulturpolitischen Diskussion im ISM beteiligen?

Wie bei allen Aktivitäten des ISM strebt auch der Kulturbeirat ein hohes akademisches Niveau und besondere methodische Stringenz an. Das Crossover zwischen Vertretern der Politik, der Wissenschaft und der NGOs und Bewegungsszene öffnet sich nun auch ganz bewusst für Vertreter aus dem Bereich Kultur, Kunst, Kreativwirtschaft. Der Kulturbeirat versteht sich als Teil des wissenschaftlichen Kuratoriums des ISM, und jeder ist eingeladen, sich orientiert am ISM Code in die von uns gestartete kulturpolitische Diskussion im ISM einzubringen.

Wir haben festgestellt, dass sich erste Gespräche beim Kennenlernen oft um folgendes drehen:

-        Die persönlichen Motivationen und Limitationen der Teilnehmer (Zeit, Interessen). Wer bringt was in die kleine Gruppe ein?

-        Unsere sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf Kultur und Kunst, wie wir alle uns mit den jeweils eigenen Expertisen sichtbar machen und trotzdem am Ende auch eine gemeinsame Position publizieren können.

-        Wie gehen wir vor? Workshops vor, während und nach der Summer Factory. Dazwischen Kontakt über Telefonkonferenzen und Text-Abstimmungen per Email.

-        Weitere Ideen für Interventionen: Denkanstöße, Positionspapiere, Podiumsdiskussionen, Events.

-        Präsentation der Arbeitsergebnisse bei ISM Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen.

-        Die spezifischen Arbeitsweisen des ISM, insbesondere das „crossover“, also zum einen überparteilich, aber vor allem auch zwischen Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, jetzt eben auch die Kulturszene hinweg.

Zur ersten Kontaktaufnahme schreibe einfach eine Email an info@solidarische-moderne.de