"Kultur und Kunst – Anker der Stabilität oder Motor des Wandels?"

Ein Bericht des Kulturbeirats von der ISM Winter Factory 2015

Kulturbeirat
Kulturbeirat WF 2015 Martin

 

Zur Winter Factory des Instituts Solidarische Moderne traf sich als eine von acht die Fachgruppe "Kultur und Kunst – Anker der Stabilität oder Motor des Wandels?" am 28. Februar 2015 in der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Die Fachgruppe traf sich auf Einladung des Kulturbeirats des Instituts Solidarische Moderne. Dabei waren neben Mitgliedern des Kulturbeirats (Dieter Kramer, Kall Stork, Martin Wimmer) ausgewählte Gäste (Caroline Jahns, Anette Rein, Frank Bornmann, Reiner Diederich, Till Stepping).

Inhaltlich arbeiteten wir die bedeutende Rolle von Kunst und Kultur in dem vom ISM crossover diskutierten Prozess heraus, in dem eine sozial-ökologische Transformation als konkrete politische Alternative zum Neoliberalismus entwickelt werden soll. Die These der letzten Summer Factory des ISM war "Vor dem Umbruch muss ein Aufbruch stehen". Bei der Winter Factory wagten sich die acht Fachgruppen des ISM nun einen Schritt weiter vor: "Wer trägt den Aufbruch? Wann fängt er an? Woran kann er anknüpfen?" Darauf eingehend bejahten wir die Frage, ob für diesen Aufbruch Kultur und Kunst ein Anker der Stabilität und/oder ein Motor des Wandels sind.

Als unmittelbares Ergebnis in die Winter Factory zurückgespielt wurden aus der Fachgruppe folgende Stichpunkte als Anregungen für das ISM:

  • Sozial-ökologische Transformation und kulturelle Veränderungsprozesse müssen sich ergänzen

  • Ökonomischen Verwertungszwecken der Künste entgegentreten

  • Wertschätzung der KünstlerInnen und Kulturschaffenden (auch materiell)

  • Berücksichtigung und Einbeziehung der Jugendkultur (auch anderer Generationen) in die kulturellen Prozesse

  • Kulturelle Teilhabe und selbstbestimmte Aneignung von künstlerischer Produktion und kulturellem Leben als Grundrecht

 

„Sozial ökologische kulturelle Transformation“

Die Zusammenfassung "Wir müssen wieder öffentlich über Kultur streiten. Zur sozial-ökologischen Transformation aus kulturpolitischer Sicht" greift Themen und Argumente der Fachgruppe sowie der sich anschließenden Diskussion dazu auf der Winter Factory auf. Kultur ist neben Politik und Wissenschaft ein nicht mehr wegzudenkender Aspekt der Arbeit des Instituts.

Den gesamten Bericht finden Sie unten zum Download.

 

Die in der Diskussion auf der ISM Winter Factory angerissenen vier Themen

  • Frankfurt: Kulturausschuss ohne Themen

  • Künstlerische Freiheit vs. Ökonomische Zwänge

  • Der musische Reflex in uns allen

  • Jugendkultur hat Kunstrang

 spiegeln einerseits nur einen Ausschnitt des Themenspektrums wider, der aus Sicht des ISM crossover behandelt werden könnte. Sie zeigen andererseits wie sich die Perspektiven einiger Künstler, Kulturmanager, Kulturwissenschaftler und Kulturpolitiker aus dem rot-rot-grünen Milieu schon in wenigen Stunden fruchtbar zu klaren Haltungen verengen lassen, die für das gesamtgesellschaftliche Projekt einer sozial-ökologischen Transformation einen tragfähigen Beitrag leisten. Eine Kritik der Kulturindustrie ist unabdingbar. Weiterhin gilt:

  1. Wer eine Gesellschaft politisch verändern will, muss sich der kulturellen Bedingtheit von Motiven und Mechanismen stellen. Jede politische Intervention ist eingebunden in kulturelle Traditionen und wirkt im Aushandeln dessen, was Kunst ist, darf und soll, auf die zukünftige Lebenswelt der Menschen zurück. Politische Kultur und Kulturpolitik sind so untrennbar ineinander verwoben. 

  1. Wesentliche Diskurse gesellschaftlicher Veränderung wurden und werden in Kontexten kultureller Alltagspraxen und künstlerischer Schaffens- und Bewertungsprozesse ausgetragen. Die globalen Überlieferungen der Vorstellungen vom „guten Leben“ und die freie, konstruktive Kommunikation über sie auf Wohnzimmersofas, Schulhöfen und Marktplätzen, in Cafes, Moscheen und Yogastudios, in Filmen, Büchern und Liedern haben auf die politische Überzeugung Einzelner ggf. mit größerer Wirkmächtigkeit Einfluss als der, wenn überhaupt, nur medial und verkürzt wahrgenommene Stand der Diskussion in Parlamenten und Hörsälen.