Summer Factory mit über 300 TeilnehmerInnen

Auf der ersten Konferenz des ISM diskutierten ExpertInnen und TeilnehmerInnen Kernthesen eines bildungspolitisches Manifestes

26.09.2010
Sonja Buckel und Stephan Lessenich eröffnen die Summer Factory 2010
Sonja Buckel und Stephan Lessenich eröffnen die Summer Factory 2010

Über 300 Teilnehmer_innen kamen gestern zur Summer Factory des Instituts Solidarische Moderne nach Frankfurt, um in den 17 Workshops mit 70 Bildungsexpert_innen über bildungspolitische Probleme und Herausforderungen zu diskutieren und gemeinsam Kernthesen zu formulieren. „Das Institut Solidarische Moderne hat ein eigenes Konzept entwickelt, um Arbeitsergebnisse zu produzieren: Die Workshops haben Kernaussagen erarbeitet, die anschließend zusammengetragen wurden und in einem Redaktionsteam zu Kernthesen für ein Manifest „Bildung in der Demokratie" verdichtet wurden. Diese werden nun in den kommenden Wochen von den Delegierten der Workshops zu einem Manifest ausformuliert. Für uns war diese Vorgehensweise ein Experiment, und wir sind begeistert von der Zustimmung, die es erfahren hat ", sagte Sonja Buckel, Kuratoriumssprecherin des Instituts Solidarische Moderne.

Erste Ergebnisse der Summer Factory

Vorab präsentierten Vertreter_innen des Redaktionsteams erste Ergebnisse und die Grundzüge der zukünftigen Publikation, vor allem die Strukturierung der Inhalte. In einem ersten Schritt wird die Publikation die gesellschaftlichen Kontexte von Bildung beleuchten und die Auswirkungen aktueller Bildungspolitik kritisieren. Als zentrales Beispiel für diesen Kontext wurde das Geschlechterverhältnis als fundamentaler Widerspruch gewählt, von dem aus Bildungspolitik zu kritisieren und zu formulieren sei. „Bildung darf nicht Einübung in diese Verhältnisse sein, sondern muss den Widerstand dagegen ermöglichen" und dies setzt Zeit, Raum und soziale Garantien des Lebens voraus, so eine der Thesen der Workshops. Darauf aufbauend werden Zukunftsperspektiven beleuchtet und schließlich Forderungen abgeleitet. Wir gehen davon aus, dass das Manifest im Januar 2011 vom ISM veröffentlicht wird.

Bestimmte Punkte erfordern weitere Diskussion, die im Institut Solidarische Moderne als ein Crossover-Prozess weitergeführt wird. Zu diesen offenen Punkten zählen Fragen nach Art und Umfang staatlicher Steuerung in der Bildungspolitik, die Frage nach der Zukunft des Bildungsföderalismus und der Finanzierung von Bildung.

Wolfgang Nitsch zieht einen historischen bildungspolitischen Rahmen

Zum Abschluss der Summer Factory hat das Institut Solidarische Moderne Wolfgang Nitsch für eine Keynote eingeladen. Prof. Wolfgang Nitsch ist einer der Autoren des damals bahnbrechenden Manifests „Hochschule in der Demokratie" von 1965. Wolfgang Nitsch zeigte, dass viele aktuelle bildungspolitische Fragestellungen und Probleme schon seit Jahrzehnten existieren, ebenso wie Ansätze zu deren Lösung. Zentrale Anliegen von Hochschule in der Demokratie" war die Demokratisierung universitärer Strukturen. Fragen wie längeres gemeinsames Lernen und die Erleichterung des Hochschulzugangs für alle wurden auch schon 1965 diskutiert. Es ist eines der zentralen Anliegen des Instituts Solidarische Moderne dieses „historische Gedächtnis" in die Produktion neuer politischer Ansätze zu integrieren.

Wie weiter mit der Bildung?

Anknüpfend an den historisch orientierten Vortrag von Wolfgang Nitsch, diskutierten anschließend Prof. Peter Grottian, die Schülerin Paula Rauch, Studentin Nadia Sergan und Jochen Nagel, Vorsitzender der GEW Hessen über Perspektiven linker Bildungspolitik im aktuellen politischen Kontext. Einigkeit herrschte in der Beurteilung der gegenwärtigen Situation, wo linke Bündnisse zwar – wie z.B. mit der Abschaffung der Studiengebühren in Hessen – kleine, wenn auch nicht unwichtige, Erfolge erzielen konnte. Über die hieraus zu ziehenden Schlussfolgerungen wurde engagiert mit dem Publikum diskutiert. Der Vorschlag eines Bildungstribunales, getragen von von verschiedenen sozialen Bewegungen und Gewerkschaften wurde diskutiert. Nadia Sergan schloss die Diskussion mit den hoffnungsvollen Worten, dass im Sommer immer ein wenige Ruhe in die Bewegung gekommen sei, dass aber der nächste Winter unmittelbar bevorstehe – und damit vielleicht auch die Fortsetzung der Prozesse.

Das Institut Solidarische Moderne wird diese als Programmwerkstatt solidarisch begleiten – nicht zuletzt mit dem Erscheinen des Buches als Resultat der Summer Factory, zustande gekommen unter Mitwirkung von vielen.

Eröffnung der Summer Factory mit Podiumsgespräch

Eröffnet wurde die Eröffnung der 1. Summer Factory des Instituts Solidarische Moderne mit Vertreter_innen der Programmwerkstatt, die über Ziele und Aufgaben des Instituts diskutierten. Unter dem Titel „Crossover, Mosaiklinke, Gegenhegemonie – Was will das Institut Solidarische Moderne?" präsentierten zentrale Vertreter_innen des ISM ihre Vorstellungen einer Solidarischen Modernen.

Kuratoriumssprecher Stephan Lessenich startete die Diskussion mit einem Impulsstatement über das Anliegen des Instituts, die politische und gesellschaftliche Deutungshohheit über die „Kneipen, Küchentische, Katheder und Kanzeln" zu erlangen.

Andrea Ypsilanti, Vorstandssprecherin des Instituts, betonte in ihrem Redebeitrag die Brückenfunktion des ISM als Mittlerin zwischen Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und sozialen Bewegungen. In den zurückliegenden Monaten nach der Gründung sei es zunächst darum gegangen „eine gemeinsame Sprache untereinander zu finden und sich darüber zu verständigen, dass wir über die gleichen Dinge reden."

Katja Kipping, ebenfalls Vorstandssprecherin des Instituts, ergänzte, dass Crossover dagegen nicht funktionieren könne, wenn sich beispielsweise DIE LINKE über das „Bionade-Biedermeier-Bürgertum" bei den Grünen beschwere und die Grünen umgekehrt von der LINKEN verlangen, sich ihren außenpolitischen Positionen anzunähern.

 

Schlagworte: Bildung , Summer Factory